was Lauf – und Prüfungsstress miteinander verbindet

Hand aufs Herz….haben wir nicht alle zu der Zeit als wir noch zur Schule gingen ab und an die Zeit im Schulbus genutzt um noch schnell unseren Wissensstand betreffend der für die anstehende Prüfung angeordneten Vokabeln, Formeln, Textpassagen und dergleichen mehr zu überprüfen?  Wohlwissend und doch zugleich verdrängend dass uns diese 5-10 Minuten keinen Deut weiterbringen würden, sondern stattdessen eher – sofern überhaupt noch möglich – so richtig nervös machen würden. Denn was blieb uns schon für Möglichkeiten wenn wir in der sich eh schon bedenklich dem Siedepunkt nähernden Aufregung etwa feststellten dass wir diese oder jene Vokabel, Textstelle oder Formel über Nacht offensichtlich vergessen hatten, bzw sie uns einfach und trotz (oder gerade wegen?) aller mentaler Bemühung einfach nicht mehr einfallen wollte….
Jahre und Jahrzehnte später haben wir eingesehen dass es sich hierbei um eine der unsinnigsten Eigenschaften handelte welche wir uns je zu eigen gemacht hatten, wobei wir jedoch möglicherweise Trost in der Tatsache finden dass sich auch die nachfolgende Generation diesem dem lampenfiebernden und auf eine gewisse Form von Prüfungsangst schliessen lassende ungute Gefühl nicht verwehren kann. Der einzige Unterschied besteht lediglich darin dass wir in unseren Heften und Ordnern blätterten während unsere Kinder und Heranwachsenden zum selben Zweck auf dem I-phone rauf- und runterscrollen…(was wiederum ihre Sitznachbarn erfreuen sollte denn diese können sich gar nicht ausmalen wie lästig es damals war wenn jemand seinen Litzordner oder sein DINA.-Merkblatt ausbreitete und damit unweigerlich territoriale Sitzflächenansprüche an den Nachbarn, und in der Regel auch gleich selbst beantwortete…).

Worauf ich aber eigentlich hinausmöchte ist die Tatsache dass wir Läufer genau dasselbe unsinnige und alles in allem nutzlose Verhalten an den Tag legen wenn wir unmittelbar vor einem Laufwettbewerb oder -ereignis stehen welches uns viel bedeutet und auf das wir uns wochen- oder gar monatelang vorbereitet haben.

Ich habe die Erfahrung wieder einmal für mich selber gemacht als ich vor 3 Wochen beim Monschau Marathon http://www.monschau-marathon.de/ an den Start ging, und am Vortag einen (sehr) lockeren 6 km Lauf absolvierte, und ir dabei einredete diese kurze Runde wüde dazu dienen die Muskulatur zu lockern. Und ich will noch nicht einal ausschliessen dass dies tatsächlich geschah. Das eigentliche Verdienst dieser Minirunde bestand jedoch darin die allerletzte Runde zu geniessen und sich auf den am darauffolgenden grossen Tag vorzufreuen und sich die Gewissheit zu holen dass man im Laufe all der Wochen und Monate tatsächlich verinnerlicht hatte dass es beim Laufen darauf ankommt stets einen Fuss vor den anderen zu setzen….

Heute abend werde ich wieder eines dieser (für mich) bedeutsamen Wettkämpfe teilnehmen, nämlich dem Escher Kulturlauf http://kulturlaf.lu/de/1/home/. Das ist gleich um die Ecke, ich könnte fast zu Fuss dorthin, kenne jede Ecke und jeden Winkel der über 10 Meilen führenden Strecke welche in reichlich Folklore eingebettet ist und jede Menge bekannter Gesichter bietet.

Und obwohl ich nun wirklich keine Bedenken haben muss ob ich diese 16 Kilometer schaffe oder nicht (Zeiten interessieren mich dabei übrigens nur am Rande, wenn überhaupt), und trotz 3 Laufeinheiten an den 4 ersten Wochentagen, schob ich dann gestern doch noch eine 4. Laufeinheit am 5. Wochentag ein, um zu überprüfen ob die Müdigkeit welche sich in den letzten Wochen eingestellt hatte inzwischen abgeklungen ist (vor 2 Tagen war sie das noch nicht), und ob das Ziehen im Adduktorenbereich inzwischen verschwunden war. Sowohl die erste als auch die zweite Frage hätte ich problemlos auch ohne zu laufen beantworten können….wenn am Donnerstag die Adduktoren zwicken, dann zwicken sie auch noch am Freitag. So aber habe ich zumindest die ultimative Gewissheit dass de so ist. Vor allem aber habe ich die Gewissheit dass dem auch heute, also während des Rennens so sein wird….Und so werde ich mit dem guten Gefühl an den Start gehen eigentlich gut vorbereitet zu sein, aber ab Kilometer 3 etwa ein leichtes Zwicken im Adduktorenbereich verspüren werde welches mich dann bis ins Ziel begleiten wird, wo ich mir dann sagen werde dass ich möglicherweise eine bessere Zeit gelaufen wäre wenn ich nicht an Schlafmangel gelitten, und… kein Zwicken im Adduktorenbereich verspürt hätte…. 😉

Fast so wie damals also, als ich zwar eigentlich ganz zufreiden war it meiner Schulnote, aber das Gefühl hatte zu einer noch besseren Note fähig gewesen zu sein, wenn der Bus ein bisschen länger gebraucht hätte und ich die letzte Seite noch einmal hätte überlesen können, bevor ich aussteigen musste….

 

 

2 Gedanken zu “was Lauf – und Prüfungsstress miteinander verbindet

  1. Ich verordne mir vor meinen (eher spärlichen) Wettkämpfen recht konsequent und auch konsequent eingehalten, eine Regenerationspause. Wenn der Wettkampf am Sonntag ist, ist Dienstag Abschlusstraining und danach wird nicht mehr trainiert, sondern höchstens noch spazieren gegangen oder gelockert, ganz bewusst nicht mit Ziel auf den Wettkampf. Ebenso wenn der Wettkampf am Donnerstag ist (wie im Juli der Campus-Run), beende ich mein Training am Sonntag und zwinge mich danach zur Ruhe.

    Das mag extrem sein, aber für mich hilft es ganz gut, um „auf den letzten Drücker“-Aktionen zu vermeiden. Ich kenne leider sehr gut das Resultat, wenn meine Studenten nach „auf den letzten Drücker“-Lernen in mündlichen Prüfungen aufschlagen – das ist für mich nicht schön und für die Studis noch viel weniger.

    Das soll natürlich keine Belehrung sein, ist nur, wie ich es handhabe als Kommentar zu dem, wie es bei Dir läuft und Deinen Gedanken dazu.

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