Laufen als unverblümtes Barometer für körperliches, geistiges, und emotionales (Un)Wohlbefinden

Es bedarf vermutlich einiger Jahre und eines behutsam gewachsenen Bewusst-Seins um die vermeintlich routinemässigen und sich nach Laufalltag anfühlenden Laufeinheiten als Gradmesser seines eigenen mentalen und physischen Wohl- oder Unwohlbefindens zu benutzen.

Hat man jedoch erst ein Mal die Fähigkeit dazu entwickelt, eröffnet sich einem ein schier endloses Fenster auf all die Merkmale und Indizien welche zwar von einem selbst ausgehenden, einem jedoch ansonsten und inmitten des nicht selten und latent opportunistisch als Vorwand benutztem und eingesetztem Alltagsstress, verschlossen bleiben.

Schlafmangel, mentale Müdigkeit, muskuläre Überanspruchung an den Vortagen, emotionale Belastung, ungelöste und/oder aufgeschobene Fragen oder Probleme,….all das drängt beim Laufen an die Oberfläche und baut sich vor einem auf. Dagegen anlaufen ist sinnlos….Schlafmangel beispielsweise wirkt sich nun mal auf den Körper aus, und entzieht ihm die Frische welche die eigentliche Voraussetzung dafür ist dass man das Laufen als ent-spannende Massnahme benutzen kann. Die Gedanken welche darauf drängen angesichts der dem einen-Schritt-vor-den-anderen-Setzen innewohnenden und durchaus angenehmen Monotonie, auf Wanderschaft zu gehen, werden genau daran gehindert dass ihnen die körperliche Schwere einen Riegel vorschiebt.

Ähnlich verhält es sich mit all den anderen Empfindungen welche dem Läufer eindeutig vermitteln wie es um seine körperliche, geistige oder emotionale Frische bestellt ist. Man (und „mann“ dem Vernehmen nach erst recht!) kann seine Gefühle vorübergehend oder gar dauerhaft unterdrücken, doch wenn man beim Laufen, inmitten von Feldern, Wiesen, Feldern, oder entlang sich endlos windender Strassen, mit sich selber unterwegs ist, dann bröckeln mit zunehmender körperlicher Belastung die fälschlicherweise zum Selbstschutz aufgebauten Mauern welche einen von unerwünschten aber nun mal in seinem tiefsten Inneren wuchernden Gefühlsregungen beschützen sollen.

Nicht zuletzt deshalb ist es ratsam beim Laufen auf diese hochintelligenten nur unzulänglich immer noch als Uhren bezeichnete getragene Minicomputer zu verzichten. Letztere dienen nämlich dazu die Aufmerksamkeit auf metrische Daten zu reduzieren welche bei genauer Betrachtung bar jeglicher Bedeutung sind. Wie wichtig ist es denn wirklich ob ich an jenem Mittwochmorgen 7,6 oder 7,8 Kilometer gelaufen bin? Welchen Einfluss hat es ob ich meine angestammt Runde in 48 oder 47 Minuten gelaufen bin? Hingegen räume ich sehr gerne ein dass es durchaus sinnvoll sein kann zu kontrollieren ob ich gerade mit 148 oder 178 Pulsschlägen unterwegs bin, erst recht wenn ich eine kardiologische Vorgeschichte habe. Aber brauche ich dazu wirklich auf Dauer ein Pulsmessgerät? Es ist durchaus möglich seinen Körper so weit kennenzulernen dass man irgendwann die Signale welche der Körper sendet auch ohne Armbandcomputer zutreffend deuten kann. Auch auf die „Gefahr“ hin den Unterschied zwischen 148 und 151 Puls nicht zu bemerken. Den Unterschied zwischen 148 und 178 aber bemerkt man allemal.

Es lohnt sich demnach beim Laufen in Körper und Psyche hineinzuhören. Beziehungsweise lohnt es sich allein deshalb zu laufen um genau den Zugang zu Körper und Psyche herzustellen der einem ansonsten verschlossen bleibt. Erst recht dann wenn einem dies bisher und aus welchem Grund auch immer durchaus gepasst hat.les

 

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